Himmel & Erdung: Spirituell leben in der Netzzeit (RefLab)

Himmel & Erdung: Spirituell leben in der Netzzeit (RefLab)

Deine Zeit für ein gutes Gespräch

Paradies: Traum und Wirklichkeit – Nanina Guyer, Museum Rietberg

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Was sehen wir auf Bildern von «Paradiesen» – und was wurde sorgfältig daraus entfernt?

Über Jahrhunderte entwarf der Westen seine Vorstellung vom Paradies in der Ferne: tropische Landschaften, unberührte Natur, vermeintlich ursprüngliche Kulturen. Noch heute sprechen wir beispielsweise von «Südseeparadiesen».

Doch hinter diesen Bildern standen Gewalt, Ausbeutung und ein kolonialer Blick, der Realität systematisch ausblendete.

Heute geschieht weltweit etwas Bemerkenswertes: Künstler:innen aus der sogenannten Mehrheitswelt kehren zu genau diesen Archiven zurück. Erstmals widmet sich eine Museumsausstellung dem Phänomen: «Fast ein Paradies» im Museum Rietberg in Zürich. 

Künstler:innen schneiden Bilder heraus, bearbeiten sie, nähen Fragmente neu zusammen – und holen verdrängte Geschichten zurück ins Sichtbare.

Oder sie stellen Bilder nach und korrigieren sie wie hier die indigene Künstlerin Wendy Red Star.

Wendy Red Star, Spring – Four Seasons, 2006 © Wendy Red Star, courtesy the artist; collection of the Newark Museum of Art.

Es ist eine künstlerische Form der Erinnerung und manchmal auch eine Form der Heilung. Denn Fotografien sind nie nur Dokumente. Sie tragen Spuren von Macht, Trauma und vielleicht auch von etwas Geistigem in sich.

In dieser Episode mit der Kuratorin Janina Guyer geht es um die Frage, wer Geschichte erzählen darf – und wie Kunst dem Verdrängten Sichtbarkeit und eine Stimme verleihen kann. Die Fragen stellt Johanna Di Blasi (RefLab).

Nanina Guyer hat Ethnologie sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte studiert und mit einer Arbeit über historische Fotografien des Frauenbunds Sande in Sierra Leone und Liberia an der Universität Basel promoviert. Seit 2018 ist die Schweizer Forscherin Kuratorin für Fotografie und Leiterin des Fotoarchivs des Museum Rietberg in Zürich. 

«Fast ein Paradies. Kolonialzeitliche Fotografie in der Gegenwartskunst», Museum Rietberg Züich, bis 6. September 2026.

Der Link zur Ausstellung: https://rietberg.ch/ausstellungen/fast-ein-paradies

Der Link des im Gespräch erwähnten millionenfach aufgerufenen Ted Talks der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Adichie: «The danger of a Single Story» ist hier.
https://www.youtube.com/watch?v=D9Ihs241zeg

Wenn der Algorithmus zum Seelsorger wird – Studie von «Digital Religion(s)»

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Ein Tsunami kündigt sich an, indem sich erst einmal das Meer zurückzieht, um dann umso heftiger die Ufer zu überspülen. Künstliche Intelligenz ist wie eine mächtige Tsunamiwelle, deren Wucht immer spürbarer wird – ohne dass die vollen Ausmasse bereits bekannt wären.

Die Fundamente unserer Bildungskultur, die Erziehung zum Benutzen des eigenen Verstandes, aber auch religiöse Traditionen drohen unterspült zu werden.

Gleichzeitig bergen gerade die humanistische Kultur und die spirituellen und religiösen Traditionen Mittel der Resilienz.

Benutze deinen eigenen Verstand!

Für Pfingstmontag hat Papst Leo XIV. eine Enzyklika angekündigt. Der Titel «Magnifica humanitas» appelliert explizit an die Humanität. Es geht in dem Lehrschreiben um die «Bewahrung des Menschen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz». In Zürich wird bereits seit mehreren Jahren einschlägige Grundlagenforschung betrieben: im interdisziplinären Forschungsschwerpunkt «Digital Religion(s)»; ein in dieser Form einzigartiges Projekt im deutschsprachigen Raum.

Im Podcastgespräch geben Professor Thomas Schlag und die Doktoratsstudentin Sina Horner exklusiv Einblicke in eine aktuelle Studie zur Nutzung von künstlicher Intelligenz für persönliche Lebensfragen. Befragt wurden rund 500 junge Erwachsene in der Schweiz.

Einbrüche religiöser Zugehörigkeit

Die Ergebnisse der Pilotstudie bestätigen: KI wird immer stärker nicht nur als Werkzeug, sondern als Gesprächspartner und Lebensratgeber genutzt. Existenzielle Fragen spielen auch im KI-Zeitalter eine grosse Rolle. Die Verankerung in traditionellen christlichen Kirchen und Milieus aber erfährt bei Jüngeren regelrechte Einbrüche. Thomas Schlag und Sina Horner erzählen, was sie überrascht hat – und was die aktuellen Verschiebungen für Kirche, Seelsorge und unsere Vorstellung von Menschlichkeit bedeuten könnten.

Die Züricher Studie stimm nachdenklich. Die Forscher:innen appellieren, die Bedürfnisse heutiger Menschen ernst zu nehmen und Personen, die bei KI Hilfe suchen, nicht vorschnell zu verurteilen. Gleichzeitig gelte es, kritisches Bewusstsein und Resilienz zu stärken. In diese Richtung zielt auch die päpstliche Enzykika:

«Wir müssen die Gabe der Kommunikation als tiefste Wahrheit des Menschen bewahren, an der sich auch jede technologische Neuerung orientieren muss.»

Das päpstliche Schreiben warnt vor erheblichen Risiken KI-gesteuerter Inhalte, menschenähnlichen ChatBots, gewinnorientierter algorithmischer Inhaltssteuerung und drohender Erosion des Denkvermögens durch einseitige Informationen.
Triloge «Im Spiegel der KI»

Die Podcastepisode ist Teil drei der Trilogie «Im Spiegel der KI»: Im ersten Teil klärt der Deep-Learning-Researcher Simon Baur (Fraunhofer Gesellschaft) über Realität und Mythen von ChatGPT & Co. auf. Er erläutert auch, wo die Grenzen der Sprachmodelle liegen. Im zweiten Teil spricht Johanna Di Blasi mit Jonas Simmerlein, der mit ChatGPT-Gottesdiensten international bekannt wurde. Im Podcastgespräch erklärt der Theologe und Phänomenologe, weshalb echte Begegnung mehr braucht als einen guten Output.

KI und die Schwere der Belanglosigkeit – Jonas Simmerlein

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Im Spiegel der KI

Himmel & Erdung-Reihe zu Künstlicher Intelligenz und wie sie das Menschsein neu reflektieren lässt. Wahrscheinlich haben Menschen noch nie so nachdrücklich nach dem genuin Menschlichen gefragt wie heute. Danach, was uns ausmacht, was uns unersetzlich macht. Und wo wir vielleicht zu sicher waren, dass uns Maschinen nicht übertrumpfen.

In dieser Folge von Himmel & Erdung geht es um die Frage: Was geschieht mit Spiritualität, wenn Maschinen in Räume eindringen, die einmal von Präsenz, Offenheit und leiblicher Begegnung lebten? Der Theologe Jonas Simmerlein, international bekannt durch seine ChatGPT-Gottesdienste und Experimente mit religiöser Robotik, zieht Bilanz, auch ganz persönlich:

Wo Maschinen in religiöse Praktiken treten, befällt ihn «eine Schwere der Belanglosigkeit».

Warum ist das so? Was fehlt der Maschinenwelt?

Im Gespräch wird deutlich: Das Problem ist nicht nur, dass KI halluziniert oder unzuverlässig bleibt. Tiefer liegend ist ein Mangel an Zeitlichkeit, an echter Offenheit, an Fleischlichkeit. Maschinen haben keine Endlichkeit, sie riskieren nichts, sie schenken keine Lebenszeit, sie sind auf Funktionieren angelegt.

Gerade deshalb, so die These, erzeugen sie oft keine Resonanz, sondern Indifferenz.

Widerstand statt Reibungslosigkeit

Das Gespräch führt mitten hinein in eine Frage, die selten gestellt wird: Braucht Spiritualität vielleicht gerade das Widerständige? Nicht das System, das uns jederzeit bestätigt, sondern das Gegenüber, das sich nicht völlig verfügbar macht. Nicht die glatte Antwort, sondern Herausforderung und echte Begegnung.

Von Levinas bis Michel Henry, von KI-Chatbots bis zur christlichen Inkarnation kreist diese Folge um die Einsicht, dass Bedeutung nicht einfach erzeugt werden kann.

Was rettet uns vor der Belanglosigkeit?

Es geht auch um die konkrete Gegenwart: um Kinder, die mit Maschinen aufwachsen, um die Versuchung, Denken auszulagern, um ökologische und politische Kosten von KI. Und es geht um die Gegenbewegung: um Offline-Räume, um analoge Präsenz, um Gespräche, in denen wirklich etwas auf dem Spiel steht.

Einen solchen Offline-Raum, das Schenkhaus in Zürich, leitet Jonas Simmerlein.

Kürzlich veröffentlichte er einen Beitrag zu religiösen Robotern in dem Buch: «Instrumente Gottes Werkzeuge. Soziale Roboter und KI-Tools in religiösen Kontexten».

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Die Maschine, der wir zu viel glauben - Simon Baur

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Im Spiegel der KI

Auftakt einer «Himmel & Erdung»-Reihe zu Künstlicher Intelligenz und wie sie das Menschsein neu reflektieren lässt. Wahrscheinlich haben Menschen noch nie so nachdrücklich nach dem genuin Menschlichen gefragt wie heute. Danach, was uns ausmacht, was uns unersetzlich macht. Und wo wir vielleicht zu sicher waren, dass uns Maschinen nicht übertrumpfen.

In der Auftaktepisode geht es grundsätzlich darum, wie KI funktioniert.

Was können Large Language Models tatsächlich – und wo liegen ihre strukturellen Grenzen?

Gast ist der Spezialist für Deep Learning, Simon Baur. Er forscht im Bereich Machine Learning und Deep Learning mit einem besonderen Fokus auf Unsicherheit und Verlässlichkeit von KI-Modellen.

Künstliche Intelligenz erscheint derzeit vielen entweder als Heilsversprechen oder als Untergangsmaschine.

Wie erlebt jemand diese Spannung, der selbst an der Entwicklung solcher Systeme arbeitet?

Eine zentrale These des Gesprächs lautet:

Gefährlich wird KI nicht, weil sie allmächtig wäre, sondern weil Menschen ihr Macht übertragen.
Und weil sie zunehmend dort eingesetzt wird, wo statistische Systeme eigentlich nicht über Menschen entscheiden sollten.

Im Gespräch geht es unter anderem auch darum, warum KI oft kompetenter wirkt als sie tatsächlich ist – und wieso Sprachmodelle trotz ihrer beeindruckenden Fähigkeiten grundsätzlich fehleranfällig bleiben.

Simon Baur, Fraunhofer Gesellschaft, Foto privat.

Simon Baur ist Deep-Learning-Researcher und Doktorand an der Fraunhofer-Gesellschaft, einer der grössten europäischen Organisationen für angewandte Forschung und Technologietransfer. Fraunhofer-Institute arbeiten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Industrie und Gesellschaft und entwickeln Technologien, die später in reale Anwendungen überführt werden – von Medizintechnik bis zu KI-Systemen.

Nächste Folge

Jonas Simmerlein, Theologe und international bekannt geworden mit ChatGPT-Gottesdiensten, zur Frage: Was geschieht mit Spiritualität, wenn Maschinen in Räume eindringen, die einmal von Präsenz, Offenheit und leiblicher Begegnung lebten?

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Minisode: Tradwives - ein biblisches Frauenideal?

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Langfolge mit Antje Schrupp auf www.reflab.ch:[ "Bro-Culture: Über Brüder, die Gott spielen"](https://www.reflab.ch/bro-culture-ueber-brueder-die-gott-spielen-antje-schrupp-postpatriarchales-chaos/).

Kürzlich erschien von der Politologin und feministischen Denkerin das Buch "Postpatriarchales Chaos".

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Bro-Culture: Über Brüder, die Gott spielen – Antje Schrupp

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In dieser Episode von Himmel & Erdung unterhält sich Johanna Di Blasi (RefLab) mit der bekannten Politologin, Theologin und feministischen Denkerin Antje Schrupp über ihr gerade erschienenes Buch «Postpatriarchales Chaos».
Warum erleben wir gerade keinen einfachen Rückfall ins Patriarchat, sondern eine neue, ungeordnete Machtpolitik?
Warum wirken heutige Machtfiguren eher wie Freibeuter als wie klassische Patriarchen? Weshalb ist ausgerechnet die Geschlechterfrage zum global zum beliebten politischen Kampffeld geworden? Wie können wir auf wild gewordenen Bros reagieren?
Und was können wir als Christ:innen den religiös-Rechten entgegensetzen, die im Begriff sind jegliche Credibility des Christentums zu zerstören?

✨ Aber don't worry! Übergangszeiten sind ambivalent: Sie zerstören Gewissheiten, ja!, aber öffnen auch Räume für neue Formen von Freiheit, Gemeinschaft und Spiritualität.

Laut Deutschlandfunk ist Antje Schrupp «eine der klügsten feministischen Stimmen» der Gegenwart.

Postpatriarchales Chaos – Warum neue Machtallianzen entstehen

Antje Schrupps Analyse in ihrem neuen Buch: Wir erleben gegenwärtig keinen einfachen Rückfall in alte patriarchale Strukturen. Der gegenwärtige Backlash gegen Gleichberechtigung und Demokratie, so Schrupps These, lässt sich auch nicht einfach mit «toxischer Männlichkeit» oder nostalgische Rückkehr zu konservativen Werten erklären.

Tatsächlich ist etwas anderes, gefährlicheres im Entstehen: eine neue, ungeregelte Herrschaft des Stärkeren.

Die neuen Protagonisten dieser Entwicklung – von autoritären Politikern über Tech-Milliardäre bis zu rechten Influencern – agieren nicht wie klassische Patriarchen. Sie fühlen sich keiner Ordnung verpflichtet, keinem höheren Prinzip, keiner Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.

Schrupp beschreibt sie deshalb als «Piraten»: Akteure, die sich nehmen, was sie bekommen können – und nichts zurückgeben.

Besonders gefährlich wird diese Entwicklung, weil sie Allianzen über ideologische Gräben hinweg ermöglicht. Evangelikale Prediger, islamistische Fanatiker, libertäre Tech-Bros aus dem Silicon Valley, rechte Nationalisten, antifeministische Influencer oder verunsicherte junge Männer in Online-Communities – sie teilen zwar keine einheitliche Ideologie.

Verbunden sind sie jedoch durch ein gemeinsames Feindbild: Feminismus, Geschlechtervielfalt und weibliche Selbstbestimmung.

Antifeministische Internationale

Gerade diese «antifeministische Internationale», wie Schrupp sie nennt, wirkt heute als identitätsstiftendes Band zwischen sehr unterschiedlichen politischen Milieus.

Gender- und Abtreibungsdebatten dienen dabei oft als emotionaler Mobilisierungspunkt – während im Hintergrund Macht, Ressourcen und politische Einflusszonen neu verteilt werden. Und Ungleichheit wachseln. Während Chancen auf friedliches Zusammenleben auf einem nicht aus dem ökologsichen Gleichgewicht gerissenenen Planeten rapid schwinden.

Das «postpatriarchale Chaos» bedeutet Instabilität, Machtkämpfe und Orientierungslosigkeit – es stärkt aber auch die Fantasie und den Widerstand. Antje Schrupp:

«Mit dem postpatriarchalen Chaos wächst auch die Liebe von Frauen und queeren Personen zur Freiheit.»

Antje Schrupp gehört zu den wichtigen Stimmen des deutschsprachigen Feminismus. Ihre Analysen verbinden politische Theorie, feministische Philosophie und theologische Reflexion – und richten den Blick immer wieder auf die Frage, wie Freiheit in Beziehungen und Gemeinschaften konkret gelebt werden kann. Auf Einladung der Paulusakademie kam sie nach Zürich und machte einen Abstecher ins RefLab-Podcaststudio. :-)

Wie wild darf christliches Leben sein? Mit Jan Frerichs von «barfuß+wild».

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Wie wild und anarchisch darf christliches Leben sein?

Ein Podcastgespräch mit Jan Frerichs von «barfuß+wild»: Influencer, Lebenslehrer, Theologe, selbst ernannter Stadteremit – und Podcaster mit der Gabe, zu den Herzen zu sprechen. Im Frühjahr kommt bei Herder das neue Buch des «Spiegel»-Bestsellerautors heraus. Es ist von Franz von Assisi inspiriert: [«Anarchie des Herzens. 33 Anstiftungen zu einer Rebellion des einfachen Lebens».](https://www.herder.de/religion-spiritualitaet/shop/p3/93538-anarchie-des-herzens-gebundene-ausgabe/) «Anarchie des Herzens. 33 Anstiftungen zu einer Rebellion des einfachen Lebens. Ein zentrales Thema des Buches ist Kontrollabgabe:

«Leben geschieht nicht, wenn wir es beherrschen, sondern wenn wir es zulassen. Das ist die Anarchie des Herzens, die nicht für Chaos, sondern für Befreiung steht. Befreiung von Angst, Leistungsdruck, Perfektionismus, Selbstoptimierung.»

Jan Frerichs trat in seiner Jugend in den Franziskaner-Orden ein und lebt heute im weltlichen Zweig der Gemeinschaft. Mit seiner Lebensschule «barfuß+wild» bewegt er sich in Franziskus' Fussstapfen. Ausserdem hostet er den gleichnamigen Podacast, wo er praktische Lebenstipps gibt und «Seelenfutter» parat hält.

In seiner Lebensschule kann man in Anlehnung an Richard Rohr und der in den USA, aber zunehmend auch bei uns florierenden Wild-Church-Bewegung ausprobieren, wie es sich anfühlt, mehrere Tage und Nächte im Wald zu verbringen: allein mit Bäumen und Vögeln.

Geerdete Spiritualität vermittelt die Lebensschule aber auch in Online-Meetings.

Franz von Assisi stellte vor 800 Jahren eine ziemlich hohe Messlatte auf: als Apostel der Armut und des freien und fröhlichen Lebens. Als Bedürfnislose lösten sich die Franziskaner und Klarissen (der weibliche Zweig der Bewegung) aus unfrei machenden Bindungen. Die Loslösung von weltlichen Werten machte sie in den Augen Mächtiger ihrer Zeit allerdings verdächtig. 2026 jährt sich Franziskus' Todesjahr zum 800. Mal.

Auszug aus Himmel-und-Erdung-Einsichten aus dem Gespräch mit Jan Frerichs (in Gänze zu finden am Schluss der Podcastaufnahme).

«Franz is kaner» (bayrisch) - Keiner ist Franz

Die Fussstapfen von Franz von Assisi sind zu gross, wenn man sie 1:1 nachlaufen will. Es geht aber auch nicht um kopieren, sondern um eigene, lebbare Formen von Bedürfnisfreiheit, Einfachheit und Mut zu finden.

Rausgehen als geistliche Methode

Die «Quest» ist kein Sammeln von Erfahrungen, sondern ein Entlernen von Besitzansprüchen – die Methode könne wir von Indigenen lernen, aber auch in der christlichen Tradition finden.

Entkrampfen: Räume hüten statt Resultate erzwingen

Was zählt ist, dass eine gerechte Welt denkbar bleibt. Daraus entsteht die Fähigkeit und Kraft, zugleich offen zu bleiben und klar «Stopp» zu sagen, wenn etwas zerstört wird.

«Bruder Sonne, Schwester Krise», ein Essay von Johanna Di Blasi bei feinschwarz. https://www.feinschwarz.net/bruder-sonne-schwester-krise/

Sound im Podcat von Pixabay https://pixabay.com/de/music/meditation-spirituell-birds39-forest-20772/

Pilger, Alchemisten, Liebende – welcher Typ bist du?

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In dieser Folge von „Himmel & Erdung“ testen wir eine überraschend alltagstaugliche Mystik-Typologie der Forscherin Evelyn Underhill: Pilgernde, Liebende, Alchemistinnen – drei Wege, drei Temperamente, drei Arten, Gott (und sich selbst) zu suchen.

Simon Weinreich (Netzkloster) und Johanna Di Blasi (RefLab) fragen: Welcher Typ sind wir – und was verrät das über unsere Spiritualität? Und: Funktioniert Mystik auch digital? Im Netzkloster treffen wir uns per Zoom, um gemeinsam in die Stille zu gehen – gegen die Logik von Tempo, Dauerreiz und Selbstoptimierung.

Fünf Himmel & Erdung Einsichten

1. Liebende wollen Nähe – aber ohne Besitz.
Nicht festhalten, sondern überfliessen lassen.
2. Pilgernde suchen nicht erst am Ziel.
Gott ist im Gehen da. Nicht schneller ankommen, tiefer gehen.
3. Alchemistinnen verwandeln sich.
Transformation nicht als Upgrade, sondern als Läuterung. Nicht perfekter werden, sondern wahrhaftiger.
4. Mystik ist keine Weltflucht.
Sie zeigt sich, wenn Liebe handlungsfähig wird.
5. Der Feind ist Dauerbeschallung.
Mystik beginnt da, wo nichts mehr «geleistet» werden muss – und es reicht, da und ganz man selbst zu sein.

Bei der bayrischen Plattform https://ganzhier.de/typentest/ kann man testen, welcher Spiritualitäts-Typ man ist.

Wozu freie Rituale? Jürg Fassbind

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Ich bin Jürg Fassbind in einem spirituellen Zentrum begegnet. Wir stellten fest, dass uns das Interesse an Meditation, neuen spirituellen Formen und die Aufgeschlossenheit gegenüber christlicher Mystik verbindet. Das aktuelle Buch «Rituale in Teams und Organisationen. Innehalten – Verbinden – Transformieren» des Organisationsberaters und Ritualfachmanns nahm ich als Anlass für ein Gespräch, das ihr hier als Podcast nachhören könnt.

Jürg Fassbind stellt fest, dass heute viele Menschen, aber auch Organisationen von Veränderung zu Veränderung stolpern:

«Die Menschen arbeiten in virtuellen Räumen, sind eigentlich gar nicht mehr im Alltag fix miteinander in Kontakt. Und das kann wirklich dazu führen, dass man sich nicht mehr wirklich orientieren kann im Alltag. Und dass man vor lauter Veränderung gar nicht mehr weiss, wo man steht.»

Freie Rituale sind ein neues kreatives Feld.

Ein Höhepunkt des Austausches für mich war, als mir der Ritualexperte erklärt, welche Rituale Kirchen helfen könnten. Kirchen und Glaubensgemeinschaften sehen sich traditionell als Begleiter von Trauerprozessen. Angesichts von Mitgliederschwund brauchen sie aber selbst Trost.

Der freie Ritualexperte meint, Kirchen müssten vielleicht eine Weile die Leere aushalten, anstatt sie mit Aktivismus und Innovationen zu füllen.

Fünf Himmel und Erdung Einsichten aus dem Gespräch mit Jürg Fassbind:

1. Rituale sind bewusste Übergänge – keine Automatismen.
Ein Ritual braucht Aufmerksamkeit. Es hebt das Alltägliche für einen Moment heraus. So wird das Fensteröffnen zur Begrüssung des Tages.

2. Freie Rituale entstehen, wenn alte Formen verblassen.
Sie holen das Heilige ins Leben von Menschen ohne festen Glaubensbezug. Manchmal sind sie aber auch der Anfang von Glauben, wenn man darunter tiefes Vertrauen versteht.

3. Innehalten ist eine soziale Technik.
Rituale lassen nicht aus dem Alltag flüchten, sie unterbrechen ihn. Sie schaffen Orientierung, holen das Ich zurück ins Wir, machen Wandel spürbar und Zeit erfahrbar. In Organisationen sind sie ein Gegengewicht zur Dauerbeschleunigung.

4. Wachstum verläuft zyklisch.
Das Lebensrad symbolisiert: Auf Frühling und Sommer folgen Herbst und Winter. Nur wer loslässt, kann neu beginnen. Rituale helfen, dieses Werden und Vergehen zu würdigen – im Leben wie bei der  Arbeit.

5. Rituale erfordern Verantwortung.
Sie können verbinden oder ausschliessen, heilen oder vereinnahmen. Ein achtsames Ritual öffnet, statt zu kontrollieren. Seine Kraft liegt in der Haltung, nicht in der Form.

Zu meinem Gast: Jürg Fassbind ist systemischer Organisationsberater, Coach und Ritualfachmann mit eigener Praxis in Bern, Schweiz. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Begleitung von Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen und Übergängen. Er ist Lehrbeauftragter an der Berner Fachhochschule für Soziale Arbeit und Dozent an der Fachschule für Rituale. 

Franziska Bark Hagen: Pilger dich glücklich!

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Kaum etwas stellt eine grössere Unterbrechung vom Alltag dar, als loszulaufen und sich auf Pilgerschaft zu begeben. Wer es extrem möchte, lässt sogar das Smartphone daheim.

In dieser Episode des Podcast «Himmel und Erde – Spirituell leben in der Jetztzeit» (vormals «TheoLounge») trifft Johanna Di Blasi aus dem RefLab Franziska Bark Hagen, Pilger-Pfarrerin in Zürich. Es geht um die Frage, was Pilgern heute bedeutet, warum es Menschen so tief bewegt und wie es sich von blossem Wandern unterscheidet.

Ob schweigend im Regen, in einer Pilgergemeinschaft oder sogar in einer digitalen Form: Pilgern lädt ein, die Schöpfung tiefer zu erleben und das Leben als spirituelle Reise zu verstehen.

Vielleicht ist es gerade das, was Pilgern so aktuell macht: Es verbindet Himmel und Erde, Spiritualität und Alltag, Bewegung und innere Wandlung.

Wer schon länger nicht mehr gepilgert ist oder sich neu interessiert, wird zudem feststellen, dass Pilgern ein erstaunlich innovatives Feld ist. Es gibt Stadtpilgern, Sternenwanderungen und sogar Wohnzimmerpilgern oder Cyber Pilgrimage. Fast immer stellen Menschen fest, dass sie beim Pilgern mehr finden als sie gesucht haben.

Das Pilgerzentrum St. Jakob in Zürich leistete übrigens Pionierarbeit. Kommendes Jahr feiert es 30-jähriges Bestehen!

Fünf Himmel-und-Erdung-Einsichten aus dem Gespräch mit der Pilgerpfarrerin Franziska Bark Hagen
1. Schweigen ist ein entscheidender Faktor beim Pilgern. Baue an Pilgertagen zumindest kleinere Stilleeinheiten ein (je 20-30 Minuten).
2. Auch Regentage sind Pilgertage. Es kann sogar besonders schön sein, sich in einer Regenhülle durch die Natur zu bewegen.
3. Man muss nicht topfit sein. Im Gegenteil: Selbst Menschen mit Krebsdiagnose profitieren vom gemeinschaftlichen Pilgern.
4. Es kommt nicht auf die Länge des Weges an, sondern auf die innere Haltung.
5. Auch unser Leben ist eine Pilgerreise - und die Bibel eine Art Road-Movie. Und die Wüste, durch die wir manchmal ziehen, wirkt karg, aber ist gleichzeitig ein faszinierender Möglichkeitsraum.

Über diesen Podcast

Der Podcast für eine Spiritualität, die Himmel und Erde in Berührung bringt;
Host: Johanna Di Blasi.

Ich spreche mit meinen Gästen darüber, wie wir in der digitalen Gegenwart spirituell leben können – zeitgemäss, Offline wie auch Online.

von und mit RefLab

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